Samariterbund: Arbeitskräftemangel so dramatisch wie nie zuvor

Der Arbeitskräftemangel gehört seit vielen Jahren zu den größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft und ist eine sehr ernstzunehmende wirtschaftliche und soziale Herausforderung aber auch eine Frage der Bildungspolitik. Quer durch alle Branchen wird es immer schwieriger, Stellen mit dem richtigen Personal zu besetzen. Auch der Samariterbund und viele Gesundheits- und Sozialorganisationen sind davon sehr stark betroffen. Wir sprechen nicht mehr „nur“ von einem Fachkräftemangel, sondern generell von einem Arbeitskräftemangel. Die große Frage wird immer sein: Wer wird den Sozialstaat in 10 bis 20 Jahren finanzieren?

Unternehmen fragen sich: Wo sind all die Leute hin? 

Fast 90% der Firmen haben Probleme, geeignetes Personal zu finden! Und was noch schlimmer ist: Ein Drittel der österreichischen Betriebe verliert Umsätze wegen fehlender Mitarbeiter:innen, unbesetzte Stellen in jedem zweiten Unternehmen. Das bestätigt auch eine „EY-Studie Beschäftigung und Fachkräftemangel in Österreich 2025“. Die aktuellen AMS-Arbeitsmarktdaten Österreich zeigen es aktuell auf und die Liste der Mangelberufe ist so lang wie noch nie. Dringend notwendig sind auch Strukturreformen, weniger Bürokratie und sinkende Lohnnebenkosten. Ohne mutige Schritte droht ein Teufelskreis aus „Pleiten, Jobverlusten und steigenden Zinsen“. Der Fachkräftemangel in Österreich 2025 – Zahlen – Daten – Fakten – ein Überblick.

Viele Betriebe können bereits Aufträge nicht mehr übernehmen

Personal fehlt in vielen Bereichen und durch den Fachkräftemangel schlittern immer mehr Unternehmen in die Pleite. Das zeigt auch das BMAW AMS Fachkräftebarometer und die Analyse Fachkräftebedarf in Österreich (statistik.at) aus dem Jahr 2023. Wenn dann noch Krankenstände durch Arbeitsüberlastung dazukommen, ist es ganz schlimm. Für 2025 rechnen wir mit 6.700 Firmenpleiten, ein ähnlich hohes Insolvenzniveau wie 2024. Das Bild, das der Kreditversicherer für Österreichs Nachbarländer Deutschland und Italien zeichnet, ist noch düsterer

„Jetzt braucht es mutige Strukturreformen und kaum mehr Wachstum ohne massive Steigerung der Arbeitsproduktivität. Klar ist bereits jetzt: die Exportwirtschaft wird leiden; höhere Erwerbsbeteiligung, Zuwanderung von Fachkräften und mehr Produktivität ist notwendig. Auch gilt es jetzt die Wirtschaft in Österreich zu stärken, sonst drohen weitere Abwanderungen ins Ausland“

Ab den 2030ern droht ein akuter Arbeitskräftemangel – das wissen wir nicht erst seit heute. Die katastrophale Wirtschaftslage lt. Gläubigerschutzverband Creditreform hat die Zahl der Unternehmenspleiten um 20% ansteigen lassen. Die Digitalisierung wird Österreichs Wirtschaft stark beeinflussen.

Unbezahlte Überstunden kosten Milliarden

2024 wurden in Österreich laut Arbeiterkammer 42,3 Millionen Überstunden weder bezahlt noch mit Zeitausgleich abgegolten. Besonders betroffen sind Frauen. Insgesamt entgeht Beschäftigten dadurch ein Bruttoentgelt von 2,3 Milliarden Euro – das entspricht etwa 40.000 Vollzeitjobs. Für den Staat bedeutet das einen Verlust von 330 Millionen Euro an Sozialabgaben und 960 Millionen Euro an Einkommensteuer. Hauptursache ist der Personalmangel: Weniger Menschen müssen mehr Arbeit leisten – oft aus Loyalität zum Team. Neben finanziellen Einbußen belasten unbezahlte Überstunden auch die Gesundheit und das Privatleben … weiterlesen

Im Gegensatz dazu rechnet man mit steigender Arbeitslosigkeit

Zahlen – Daten – Fakten belegen das. Der ÖGB hat erhoben: „Darum arbeiten Arbeitslose nicht“. Wir müssen auch auch über unser Pensionssystem in Österreich tabulos nachdenken und handeln. Eine Schattenseite der aktuellen Rekordbeschäftigung: Menschen in Österreich arbeiten weniger Stunden. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und unser Sozialsystem sind das keine guten Nachrichten. Die Agenda Austria hat einen Plan, wie wir den Arbeitsmarkt wieder ankurbeln könnten.

„Babyboomer-Generation“ verabschiedet sich aus dem Erwerbsleben

Die Demografie steht Kopf. Sie rüttelt Arbeitsmarkt, Gesundheits- und Pensionssystem durcheinander. Laut Zahlen der Statistik Austria ist der Anteil der Über-65-Jährigen in Österreich seit dem Jahr 1955 von etwa 800.000 auf derzeit rund 1,67 Millionen gestiegen. Rund Babyboomer-Generation geht jetzt in Pension und das bedeutet nicht nur Mehrausgaben für den Staat  sondern auch, dass die Lücke gefüllt werden muss.

„Allein zwischen 2022 und 2027 werden rund 540.000 Menschen der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in Pension gehen. Diese fehlenden Arbeitskräfte werden nicht vollständig durch jüngere Menschen ersetzt werden können, weil nachfolgende Jahrgänge wesentlich geburtenschwächer sind“

Die Lebenserwartung der Menschen in Österreich wird weiter steigen und die Anzahl der über 65-Jährigen wird in den kommenden Jahren um fast eine Million zunehmen. Zwar wird die laufende Anhebung des Frauenpensionsalters einen kleinen Beitrag leisten, jedoch nicht ausreichen. Das wirft natürlich auch die Frage auf, wer wird diese Menschen pflegen, betreuen und versorgen? 

Druck und Stress am Arbeitsplatz hat sich massiv erhöht

Nur etwas mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher zwischen 16 und 65 Jahren arbeitet Vollzeit. Wie eine Umfrage von TQS Research & Consulting zeigt. Die anderen arbeiten entweder teilzeit, geringfügig oder gar nicht.

Chronischer Stress erschöpft das Gehirn und vermindert die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Leider werden loyale Mitarbeiter:innen sehr oft ausgenutzt.

Gehen Mitarbeiter:innen wegen psychischer Probleme in den Krankenstand, fehlen sie durchschnittlich 37 Tage. Auch sind die Öffnungszeiten beim Handel zu überdenken. Früher haben die Supermärkte um 18:00 Uhr geschlossen, verhungert ist keiner. Übrigens mittags war auch für ein paar Stunden geschlossen. Heute haben wir Tankstellenshops und ausgewählte Märkte die rund um die Uhr geöffnet haben!

Besonders dramatisch: Gesundheits- und Pflegebereich

Für alle, die sich fragen, welche Berufe zukunftssicher sind, hätten wir eine Zahl parat: 51.000. So viele zusätzliche Pflegekräfte werden bis Ende dieses Jahrzehnts in Österreich benötigt. Das ergab eine Bedarfsprognose des Sozialministeriums. Stellenausschreibungen im Gesundheitsbereich steigen weiter und weiter, im Vergleich zu 2023 wurden 2024um 61 Prozent mehr Ärztestellen und 29 Prozent mehr Pflegestellen ausgeschrieben. Im Gesundheitsbereich sind die Auswirkungen anhand von fehlenden Pflegekräften, gesperrten Spitalsbetten und langen Wartezeiten deutlich zu spüren. 

„Die Arbeiterlosigkeit ist neben der Klimakrise die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft – wir alle müssen viel lauter darüber sprechen. Und mit Hochdruck gemeinsam an Lösungen arbeiten.“

Bei Ärztinnen und Ärzten hat sich die Lage in diesem Jahr nochmal deutlich verschärft. Bereits Anfang des Jahres war ein Rekordhoch von knapp 1.500 unbesetzten Stellen zu verzeichnen, nun stieg die Zahl um satte 58 Prozent auf 2.292 an. Vor allem in Wien stiegen die Stellenausschreibungen massiv: Mit 683 offenen Arzt-Stellen hat sich die Suche hier innerhalb von 9 Monaten mehr als verdoppelt. Die köperlichen und psychischen Belastungen haben mittlerweile die rote Linie weit überschritten und es ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Mit jeder Pensionierung geht auch Erfahrung und Qualität verloren. 

Große Not im Bildungsbereich und in der Kinderbetreuung

Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Schullandschaft in einem längerfristigen Wandel befindet. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Österreich ist im letzten Jahr erneut gestiegen. Gestiegen ist auch die Zahl der Lehrpersonen. Doch Kindergarten-Pädagoginnen sind an der Grenze der Belastbarkeit. Lehrkräfte fehlen nach wie vor in der Bildung und es gibt Kritik an niedrigen Gehältern in der Kinderbetreuung. Auch hier ist die Pensionierungswelle voll im Gange. Man versucht erfahrene Lehrer:innen zum längeren Unterrichten zu motivieren oder aus der Pension zurückzuholen. 

Auch der öffentliche Dienst braucht dringend Nachwuchs

Zuerst fehlt das Geld und jetzt auch noch das Personal: Laut Bericht der parlamentarischen Bundesheerkommission ist die personelle Lage – vor allem was die Miliz betrifft – katastrophal. Zusätzlich rollt die Pensionierungswelle im Öffentlichen Dienst unaufhaltsam weiter. Rund 45% werden bis 2035 in Pension gehen – und Österreich damit fast die Hälfte seines Verwaltungspersonals, seiner AHS-Lehrer, seiner Richterinnen und Staatsanwälte, seiner Polizistinnen, Soldaten und Universitätsprofessorinnen verlieren. Das zeigt auch der Personalbericht des Bundes. Bei den ÖBB kommt es zu ähnlichen Problemen. Der Fachkräftemangel erfordert Zusammenarbeit in vielen Politikbereichen.

Firmen schlagen Alarm: So wenig Lehrlinge wie nie

Die Zahl der Jugendlichen, die eine Ausbildung in Betrieb und Berufsschule machen, ist auf einem absoluten Tiefststand. Die Lage ist fast überall dramatisch: Die größte Ausbildungs-Branche ist das Gewerbe und Handwerk – die Gesamtzahl der Lehrlinge sank zwischen 1980 und 2024 von 102.051 auf 45.420. Das ist ein Minus von 55,5 Prozent. Die praxisnahe Ausbildung in der Lehre ist für den Standort Österreich essenziell, denn ein anhaltend hohes Qualifizierungsniveau sichert Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Es ist enorm wichtig, dass wir auch junge Frauen und Mädchen für Technik begeistern. Denn vor allem IT- und technische Berufe bieten gute Jobaussichten und tolle Karrierechancen – auch für Mädchen. 
Der zeitliche, personelle und finanzielle Aufwand ist für sie besonders hoch und steigt aufgrund von schulischen Defiziten eher, als dass er sinkt. Konsequenter Bürokratie-Abbau würde ebenfalls helfen, mehr Freiräume für die Ausbildung in den Betrieben zu schaffen
Wer Fachkräfte will, muss ausbilden. Doch Betriebe ziehen sich immer mehr aus der Lehrlingsausbildung zurück. Wer das ändern will, darf nicht auf Freiwilligkeit und Vernunft hoffen, sondern muss die Lehrlingsausbildung modernisieren. Viele Unternehmer:innen sagen, sie würden keine geeigneten Bewerber:innen für Lehrstellen finden. Es scheitere an den schulischen Leistungen, an den sogenannten Basisqualifikationen und viele Jugendliche würden ohnehin gar nicht Vollzeit arbeiten wollen. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Studienfächern. In diesen Berufen wird am meisten Personal gesucht!

Jugend von heute will Work Life Balance

Die Generation Z ist in aller Munde – als Digital Natives gelten sie als zukünftige Gestalter der Arbeitswelt. Stundenreduktion und Flexibilisierung der Arbeitszeit sind die bestimmenden Themen bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter.  Wer möchte nicht weniger arbeiten und mehr verdienen? Die Agenda Austria rechnet vor, dass bei einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 32 Wochenstunden die personenbezogenen Produktionskosten in nur drei Jahren um die Hälfte steigen würden. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen stark beeinflussen und die Preise der Produkte würden weiter steigen.

Natürlich ist eine 4-Tage-Woche ohne Einkommensverluste möglich!

Abgesehen von Betreuungspflichten gebe es bei der jüngeren Generation (Generation Z) eine immer größere Gruppe, die sich mit den klassischen Vollzeit-Modellen nicht mehr identifizieren könne. Die weniger werdenden Jungen, die sich nicht „kaputt arbeiten“ wollen? Sie wollen weniger arbeiten, mehr Freizeit und Zeit für sich selbst. Aber: Die Wochenarbeitszeit muss in den vier Arbeitstagen auf 40 Stunden erhöht werden. Die Wochenenden werden zu regulären Arbeitstagen, denn die bestehende Gesamtproduktivität lässt sich nur erreichen, wenn die 4-Tage-Woche klar in zwei Blöcke aufgeteilt ist (z.B. Mo-Do und Fr-Mo). 

Neue Karriere Trends kommen auf uns zu

„Micro retirement“ heißt der neue Karrieretrend in den sozialen Medien. Das sind kleine Auszeiten zwischen Jobs, von denen sich junge Menschen Erfüllung erhoffen. Häufig herrscht das Klischee vor, die Generation Z stelle das eigene Wohlbefinden über alles. Die zwischen 1995 und 2010 Geborenen würden am liebsten keine Überstunden machen, dafür flexible Arbeitszeiten und genügend Urlaub haben.  Junge Menschen rechnen oft nicht mehr damit, in Pension gehen zu können. Die Shell Jugendstudie ist eine empirische Untersuchung der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und des Sozialverhaltens von Jugendlichen die seit 1953 herausgegeben wird. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten als ein Bestandteil einer umfassenden Sozialberichterstattung etabliert und wird in Fachkreisen als Referenzwerk wahrgenommen.

Echte Migration ist ein riesen Thema!

Attraktiv ist Österreich allerdings nicht, weil es Fachkräfte sucht, sondern weil es sich hier gut leben lässt. Problematisch ist, dass wir Flucht, Asyl und Arbeitsmigration vermischen. Die Bevölkerung sieht nur die Negativbeispiele, die mit dem Boot kommen, die Sprache nie lernen und sich nie in die Gesellschaft eingliedern.  Die Bundesregierung holt aktiv Fachkräfte vom Ausland nach Österreich. 

Wichtig sind klare, transparente und vor allem harte Regeln, weil das Bauchgefühl der Menschen ist, dass 80% unser System ausnützen. Menschen müssen sich integrieren, Sprache und Staatskunde lernen und Arbeitswillen zeigen 

Die Fühler wurden erstmals in den 1970er-Jahren ausgestreckt. Während es damals aber ausschließlich um philippinische Krankenschwestern ging, die den Personalnotstand in Wiener Spitälern lindern sollten, geht es jetzt um wesentlich mehr. Was wir dringend brauchen, ist mehr Geld und politischer Fokus auf die Integration der Menschen, die bereits hier sind und auch qualifiziert sind. Österreich konkurriert mit vielen Ländern um die besten Köpfe. Es bräuchte jedoch eine Willkommenskultur und wir brauchen eine EU-weite Strategie, damit wir uns nicht gegenseitig kannibalisieren.

Zehntausende offene Stellen doch niemand will diese Jobs

Besonders vom Personalmangel sind Jobs in der Gesundheits- und Krankenpflege, Handel, Gastro, Logistik und Verkehr betroffen. Viele denken über einen Jobwechsel nach. Schwierig Mitarbeiter zu finden liegt auch daran, dass man in mehreren Berufen zu wenig Geld verdient.

Man muss Anreize schaffen, damit sich „Arbeit wieder mehr lohnt“ – sprich es soll mehr Netto vom Brutto übrigbleiben. 

Dazu kommt, dass man in diesen Berufen oft bis spät in die Nacht arbeiten  oder viel zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit schaffen muss. Deshalb entscheiden sich viele jüngere Menschen erst gar nicht für diese Berufe.  Große Probleme gibt es dabei mit mit jungen ungebildeten Menschen, die oft nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind. Der Unterschied der Bezahlung ist hoch. Wer kürzer arbeitet, zahlt im Alter häufig drauf!

Bei der Teilzeit-Quote zählt Österreich zu den Spitzen-Ländern

Teilzeit auf dem Vormarsch: Immer mehr Österreicher meiden Vollzeit. In den letzten zehn Jahren sank der Anteil ausgeschriebener Vollzeitstellen auf karriere.at drastisch, während Teilzeitstellen zunahmen. 2024 gingen beide zurück. Während Frauen vor allem in Teilzeit arbeiten, um Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Hausarbeit & Co.) zu leisten, ist für Männer mehr Freizeit oder ein berufsbegleitendes Studium der treibende Faktor. Um den Arbeitskräftemangel zu bewältigen, müsse die Kinderbetreuung „massiv“ ausgebaut werden. Unfreiwillige Teilzeitarbeit wegen Betreuungspflichten ist immer noch weiblich. Branchen erleben eine dermaßen hohe Personalfluktuation. Der Arbeitskräftemangel ist zum Teil selbst verschuldet, da die „stille Reserve“ aus Personen, die arbeitswillig aber nicht suchend sind, sowie unterbeschäftigten Teilzeitkräften nicht genutzt wird. 

Wir werden zukünftig mehr arbeiten müssen, nicht weniger

Während in Österreich eine Verkürzung der Arbeitszeit diskutiert wird, wurde in Griechenland wieder eine Sechs-Tage-Woche mit satten Lohnzuschläge für Wochenendarbeit eingeführt. Das Pensionssystem wird empfindlich teurer. Österreichs Pensionssystem steht vor großen Herausforderungen. Die sukzessive Erhöhung des Frauenpensionsalters in Österreich auf 65 Jahre bis zum Jahr 2033 erfolgt „relativ spät“. Österreich muss eisern sparen, und es wird auch den Pensionsbereich treffen. Was die Budgetkonsolidierung betrifft, will die Bundesregierung in den kommenden Jahren rund drei Milliarden Euro im Pensionsbereich einsparen. Dabei soll der Fokus auf der Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters liegen. Es stehen auch bei den Pensionen Kürzungen bevor.  

„Ab 1. Juni 2025 steigen die Krankenversicherungsbeiträge bei Pensionisten von 5,1 auf 6 Prozent. Laut Momentum-Institut sinkt die Durchschnittspension einer Frau monatlich um 13 Euro, im Jahr sind das 176 Euro. Bei einem Mann sinkt die Durchschnittspension monatlich um 14 Euro, pro Jahr sind das 193 Euro“

Tatsache ist jedoch auch, dass Österreichs Gesetzgeber ein Ablaufdatum auf Berufstätige klebt, kritisieren Experten. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie man Menschen dazu bringen kann, überhaupt bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter zu arbeiten. Die heutige schnelllebige Arbeitswelt an sich ist schon herausfordernd und viele Betriebe sträuben sich regelrecht, Älteren einen Job anzubieten, was oft auch mit der Qualifikation oder den befürchteten Ansprüchen zusammenhängt. Dabei wollen immer mehr fitte Menschen 60 plus länger arbeiten. 

Pensionisten als Mitarbeiter der Zukunft?

Die Babyboomer Generation ist so gesund und fit wie keine zuvor und immer mehr arbeiten weiter. Firmen kommt das wegen des Personalmangels gelegen. Personen, die ihre Pension im regulären Alter antreten können so viel dazu verdienen, wie sie möchten. Jedoch wird in den meisten Fällen im Folgejahr Einkommensteuer fällig, da das zusätzliche Einkommen die steuerliche Belastung erhöht. So ändern sich die Zeiten – Jetzt hat sich das Blatt gewendet:

Es ist noch nicht lange her, da galten Arbeitnehmer über 50 am Arbeitsmarkt beinahe als unvermittelbar. Nicht wenige Firmen wollten ihre älteren Mitarbeiter loswerden und schon gar keine neuen über 50 einstellen. Argumentiert wurde meistens damit, dass diese zu teuer wären.

Für diejenigen, die sich entscheiden, vorzeitig in den Ruhestand zu treten, gelten spezielle Regelungen. Es ist daher wichtig zu beachten, dass bei Überschreiten dieser Geringfügigkeitsgrenze die gesamte Pension für den betreffenden Monat entfällt. Dies erfordert eine genaue Planung und Abstimmung des zusätzlichen Einkommens, um finanzielle Einbußen zu vermeiden. D gibt es bereits einige Beispiele: z.B. „Warum in Schladming jetzt Pensionisten zurück in den Job geholt werden“ oder „Wandel am Arbeitsmarkt – Pensionisten als Mitarbeiter der Zukunft“

Pensionist:innen kein Kostenfaktor, sondern Wirtschaftsmotor!

Tatsache ist: Jährlich fließen 50 Milliarden Euro aus unseren Pensionen in den Konsum. Der Staat profitiert mit sage und schreibe 20 Milliarden Euro aus Steuern und Abgaben. Zusätzlich leisten wir 4,5 Milliarden Euro durch die Pflege von Angehörigen und 2,5 Milliarden Euro durch ehrenamtliche Tätigkeiten. In Summe sind das 77 Milliarden Euro – eine enorme Wertschöpfung durch unsere Senior:innen! Trotzdem hört man oft: die Pensionen seien unfinanzierbar und eine viel zu große Belastung für nachfolgende Generationen.
 

Teilzeit, Gleitzeit, Jobsharing – Unternehmen werden flexibler 

Betriebe brauchen Ideen und neue Angebote. Sie müssen sich auf jeden Fall mehr anstrengen, attraktiv für ihr aktuelles Personal und das zukünftige zu sein. Sie müssen nicht nur neues Personal gewinnen, sondern auch das aktuelle bis zum Pensionseintrittsalter halten. Arbeitgeber müssen daher eine Strategie überlegen, wie sie die älterwerdenden Beschäftigungssuchenden langfristig behalten können und wollen. Um  Führungspositionen auch für Frauen attraktiver zu machen, sind Arbeitgeber gefordert, flexibel bei der Arbeitszeitgestaltung zu sein. Jobsharing, bei dem sich zwei Teilzeit-Angestellte eine Vollzeitposition teilen, wird laut Umfrage bei 17% der Arbeitgeber ermöglicht.

Woher kommt das Geld für die Pflege und für unsere Pensionisten?

Die Pensionen sind auf Zuschüsse aus dem Budget angewiesen. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung profitiert von Leistungen, die nur noch eine Minderheit bezahlt. Der österreichische Wohlfahrtsstaat verteilt knapp ein Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung um, was zu einem hohen sozialen Ausgleich führt. Das untere Fünftel der Einkommenspyramide steigt nach Steuern, staatlichen Transfers und „kostenlosen“ öffentlichen Leistungen finanziell deutlich besser aus, während es beim obersten Fünftel genau umgekehrt läuft. Also genau so, wie es für einen Sozialstaat typisch ist. Nur die oberen beiden Einkommenszehntel erweisen sich im Durchschnitt als Nettozahler. Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung fordern sogar „Zurück in eine Leistungsgesellschaft“.

Thema Schwarzarbeit 

Dinge im Pfusch erledigen zu lassen ist für zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung ein Kavaliersdelikt. Laut der Umfrage ist in einem Zehntel der Haushalte mindestens eine Person im Pfusch aktiv. Wobei der durchschnittliche Stundenlohn auf 20 Euro geschätzt wird. Der größte Verlierer bei der Schwarzarbeit ist der Staat. Damit das Sozialleistungssystem leistungsfähig bleibt, ist es notwendig, es vor Missbrauch zu schützen. Ihm entgehen Sozialversicherungsbeiträge und auch die Krankenversicherung kommt zum Handkuss, da sie die Behandlungskosten der Pfuscher tragen müssten, da 66 % der Pfuscher auch offiziell beschäftigt sind. Die Zahlen zeigen die Missachtung gesetzlicher Vorgaben im Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping. 

Millionen Schaden durch Sozialbetrug

Österreich bleibt weiterhin ein Hotspot für Sozialbetrug und das Erschleichen von staatlichen Leistungen: Sozialleistungsbetrug schadet den ehrlich arbeitenden Steuerzahlern, daher ist die konstruktive behördenübergreifende Zusammenarbeit zwischen BMI und BMF von so wichtiger Bedeutung.  

Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch

Der Arbeitsmarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Hierfür sind besonders die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung verantwortlich. Während der technische Fortschritt einerseits das Potenzial bietet, die Wirtschaft anzukurbeln und neue Berufsfelder zu schaffen, stehen viele Branchen vor großen Veränderungen. Die langfristigen Folgen von KI auf den Arbeitsmarkt sind derzeit noch nicht absehbar. Klar ist: „Es wird massive Auswirkungen haben“. „Generative KI“, also Computerprogramme, die neue Ideen, Inhalte oder Lösungen erstellen können, anstatt nur vordefinierte Regeln oder Anweisungen abzuarbeiten, sind aktuell im Trend. Einige Berufe wird es nicht mehr geben, da gewisse Tätigkeiten, aufgrund fehlender Arbeitskräfte von der KI übernommen werden müssen. 

Online-Shops aus Fernost und Auswirkungen auf heimische Betriebe

Corona, drastische Kostensteigerungen bei Mieten, Energie und Löhnen, die schwache Konsumlaune sowie der Boom von Internethändlern haben zu einer Pleitewelle geführt. Nur mehr 39% der Händler erwarten heuer einen Gewinn. Weniger Bürokratie und eine Sperre der China-Onlinehändler könnte die rot-weiß-rote Branche noch retten. Plattformen mit Waren aus China boomen. Über zwei Milliarden Päckchen landen jedes Jahr von chinesischen Händlern bei uns in Europa. Die Online-Plattfomen dafür sind bekannt: Temu, AliExpress, Shein, Wish. Sie vertreiben die Produkte aus China – meist angeblich unschlagbar günstig, auf jeden Fall aber verlockend.

„Wir haben es auf jeden Fall in der Hand ob wir unsere Wirtschaft – und damit auch österreichische Arbeitplätze – stärken oder schwächen – und das jeden Tag aufs Neue“

Eine Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von E-Commerce in Österreich zeigt was dem Handel an Umsatz und auch dem Staat an Steuern entgeht. Dramatisch: Kaufkraftabfluss der heimischen Shopper ins Ausland steigt auf 54%. Zum Thema Nachhaltigkeit: Retourenquote steigt auf 42% – befeuert durch Inflation & Boom bei Fernost-Plattformen. 

 

Quellen und Links:

 

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