Wir leben nach wie vor in einer Wegwerfgesellschaft

Jährlich am 18.03. = der Weltrecyclingtag (Global Recycling Day). Wachsender Konsum und immer neue Produkte führen zunehmend auch zu Problemen bei der Entsorgung. Vieles wird weggeworfen, obwohl es noch verwendbar wäre, oder weil die Reparatur teurer als eine Neuanschaffung ist. Diese Verschwendung wertvoller Ressourcen führt zu Engpässen, Preissteigerungen und riesigen Abfallbergen. Die Auswirkungen für Mensch, Klima und Umwelt sind gravierend. Auch der Samariterbund möchte die Bedeutung des Recyclings für die Umwelt und für die globale Wirtschaft ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und macht Abfallvermeidung, Mülltrennung, Reperatur, Recycling und Umnutzung zum Thema!

Gelebte Nachhaltigkeit ist dem Samariterbund sehr wichtig! Gemeinsam mit der Armutskonferenz drängen wir auf vorausschauende, nachhaltige und vor allem messbare Maßnahmen. Immer wieder gibt es seitens des Samariterbundes konkrete Aufrufe wo und für wen genau was benötigt wird. Hier findest du eine Übersicht unserer aktuell benötigten Sachspenden sowie Informationen zu den Abgabemöglichkeiten. Bei uns gibt es eine Zweite Chance für Lebensmittel.

Reparieren statt Wegwerfen

Das liegt durchaus im Trend und ist in der Stadt Wien auch gewünscht. Gute Ansätze zur Ressourcenschonung gibt es bei der Smart Klima City Strategie Wien. Deshalb findet 2024 die „repair:fair Wien“ – Reparatur-Messe statt. Interessierte können sich durch Reparaturbetriebe beraten lassen, an Kleidertausch-Partys teilnehmen oder Secondhand- und Upcycling-Produkte zu günstigen Preisen kaufen. Zu den Highlights des Events zählen kostenlose Reparatur-Checks für Fahrräder, Textilien, Elektro-Kleingeräte und Lampen.

„Mit 160 Maßnahmen werden in der „Kreislaufwirtschaft“ Produkte nach einmaliger Verwendung statt entsorgt in den Produktionsprozess zurückgeführt“

Das Mist-ABC bietet einen Überblick über die Entsorgungsmöglichkeiten aller Abfallarten in Wien. Intakte Altwaren kann man z.B. auf dem Mistplatz abgeben und werden dann am 48er-Tandler verkauft.  Detaillierte Informationen bietet auch das Misttelefon unter der Rufnummer +43 1 546 48.

Unsere natürlichen Ressourcen sind ein wertvolles Gut 

Die hergestellten Produkte verbrauchen große Mengen an Wasser und wertvollen Rohstoffen und werden oft direkt für die Tonne produziert. Es muss sich bereits bei der Produktion, beim Bewusstsein der Industrie und bei unserem Konsumverhalten etwas ändern und Regionalität und Qualität müssen wieder mehr in den Fokus rücken.

„Das 2025 gestartete Einweg-Pfandsystem in Österreich leistet hierzu einen wertvollen Beitrag: Ressourcen werden eingespart und Littering vermindert. Millionen Flaschen und Dosen wurden retourniert.“

Am Earth Overshoot Day sind die weltweiten Ressourcen verbraucht, die eigentlich bis Ende des Jahres reichen sollten. Je verschwenderischer ein Land mit den Ressourcen umgeht, desto früher im Jahr ist der nationale Overshoot Day – in Österreich ist das 2024 bereits am 7. April der Fall. 

Zero Waste ist der echte Lösungsansatz

Die Oberfläche des Blauen Planeten ist begrenzt. Im Gegenzug dazu scheint eine Tatsache auf der Erde unbegrenzt und stetig anzusteigen. Was könnte das denn sein? Richtig! Die Müllproduktion. Recycling funktioniert nur bedingt als Lösung des Problems.

„Zero Waste – auf Deutsch: null Verschwendung – ist eine Philosophie mit dem Ziel der Nachhaltigkeit. Sie bedeutet, dass möglichst wenig Abfall produziert wird und Rohstoffe nicht vergeudet werden“

Als Begründerin des Zero-Waste-Lebensstils gilt Béa Johnson. Die Französin lebt seit 2008 zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in Kalifornien und das nahezu abfallfrei: Der gesamte Jahresmüll der Familie passt in ein einziges Einmachglas. Sie schreibt einen BlogBücher und hält Vorträge zum Thema. Bei der Umsetzung von Zero Waste gibt es nach Bea Johnson fünf Grundsätze, die fünf Rs:

  • Refuse (ablehnen, vermeiden): auf Unnötiges verzichten
  • Reduce (reduzieren): den Besitz verringern
  • Reuse (wiederverwenden, reparieren): alles so oft/lange wie möglich verwenden
  • Recycle (recyceln): nur das Nötigste entsorgen
  • Rot (kompostieren): wenn nichts anderes möglich ist, kompostieren

 

221.800 Tonnen Kleidung landen in Österreich jährlich im Müll

Obwohl es vielen Menschen in Österreich finanziell nicht mehr so gut geht, werden pro Kopf jährlich rund 19 kg Textilien gekauft. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von 320 g pro Stück entspricht das jährlichen 60 Kleidungsstücken pro Österreicher:in. Im Durchschnitt kaufen wir also mehr als ein Kleidungsstück pro Woche

„2025 müssen gemäß EU-Vorgaben alle Alttextilien getrennt gesammelt werden“

Derzeit übernehmen vorwiegend karitative Organisationen das Sammeln und Sortieren, gefolgt von der gewerblichen Sammlung und der kommunalen Sammlung. Viele Österreicher spenden Altkleidung im Glauben, damit etwas Gutes zu tun. Allerdings wird nur ein geringer Anteil tatsächlich von jemand anderem getragen – vieles tritt eine weite Reise an und wird im Nirgendwo unprofessionell entsorgt.

Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt:

75.000 Tonnen Textilien landen pro Jahr im Restmüll, 26.000 werden getrennt gesammelt – 11,2 kg bzw. 35 Kleidungsstücke werden von jedem und jeder Einzelnem im Durchschnitt also jährlich wieder entsorgt. Dabei hat jeder von uns bereits ein durchschnittliches Kleidungslager von 50 kg (156 Kleidungsstücken) zuhause angehäuft. D.h.

Jeder Österreicher entsorgt pro Jahr vier Kilo an Altkleidern. In Österreich landen jedes Jahr rund 221.800 Tonnen Textilien im Müll. Nur 17 Prozent der Kleider werden wiederverwendet und recycelt, der überwiegende Teil verbrannt

Laut Studie ist angesichts des steigenden Kleiderkonsums und dem Trend auf dem Modemarkt zu „Fast Fashion“ die Menge der in der EU pro Person gekauften Kleidung in nur wenigen Jahrzehnten um 40 Prozent gestiegen. So wächst auch die Menge an anfallenden Altkleidern rasant an.

Was passiert mit der Bekleidung

97 Prozent der Textilabfälle kamen von Einzelpersonen, aus Haushalten oder von Betrieben. Nur etwa drei Prozent sind Produktionsabfälle. Pro Person landen jährlich mehr als vier Kilo Altkleider, Altschuhe, Haus- und Heimtextilien in der Altkleidersammlung.

  • 10 % = 221.834 Tonnen wurden für den Second-Hand-Bedarf genutzt
  • 7 % recycelt
  • 77 % werden verbrannt und in Energie umgewandelt
  • 6 % landen auf Deponien oder werden im Ausland ohne Energiegewinnung verbrannt

 

Herstellung problematisch!

Je nach verwendeter Faser treten bei Textilien unterschiedliche ökologische und soziale Probleme auf.

  • Kunstfasern wie Polyester (z.B. für Sportkleidung) werden aus Erdöl hergestellt. Eine mit 2,8 kg Polyester gefüllte Waschmaschine gibt pro Waschgang rund 460.000 Kunststoffpartikel ab, wonach in Österreich hochgerechnet pro Jahr rund 21 Tonnen Mikroplastik ins Abwasser gelangen.
  • Textilien aus Baumwolle bestehen aus einem nachwachsenden Rohstoff, doch Baumwolle ist die pestizidintensivste Pflanze der Welt. Kleidung aus Wolle kann aus Sicht des Tierwohls problematisch sein, wenn bei den gescherten Schafen sogenanntes „Mulesing“ betrieben wird, das die schmerzhafte Entfernung von Haut rund um den Schwanz der Schafe beschreibt.
  • Die sozialen Bedingungen entlang der Textil-Wertschöpfungskette sind oftmals verheerend, der Lohn einer Näherin macht dabei oft nicht mehr als 1 % des Preises eines Kleidungsstückes aus.
  • Landet Kleidung in der Natur, so kann es je nach Textilart mehrere Jahrzehnte dauern, bis diese vollständig verrottet.

 

Was kann jede/-r Einzelne dagegen tun?

  • Weniger Kleidung kaufen
  • Qualitativ hochwertige Kleidung kaufen
  • Kleidung gebraucht kaufen oder tauschen
  • Bio- („GOTS“) und Fairtrade-zertifizierte Kleidung kaufen
  • Petitionen unterschreiben

 

Links & Quellen:

 

Helfen auch Sie bitte mit!

Ihre SamariterInnen aus Wien Favoriten ❤️

Bild: Kostenloses Foto auf Pixabay – Danke